Bionator – Therapie  

Die Bionator-Therapie

Wurde von Prof. Dr. Dr. Wilhelm Balters (gestorben 1973) entwickelt als kieferorthopädische Einflussnahme, die sich aber auf die gesamte körperliche und seelische Welt des Menschen, ja sogar auf die Einflüsse seiner Um- und Mitwelt erstreckt. Fortgeführt und konsequent weiter ausgebaut wurde Balters Therapieverfahren von einigen seiner Schüler.

Vom Kopf bis Fuß mit Leib und Seele

Die Bionator-Therapie stellt ein Behandlungsverfahren in der Kieferorthopädie dar, das nicht nur auf die Regulierung des Gebisses zielt, sondern den ganzen Menschen von Kopf bis Fuß mit Leib und Seele erfasst. Sie bedeutet nicht Einzelzahnbewegung, sondern zuallererst Mundraumentwicklung, und zwar in sagittaler, vertikaler und transversaler Richtung. Die wirkenden Kräfte sind die sogenannten Implosionskräfte, die sich durch Sogeinwirkung zusammenziehenden Kräfte. Durch den Bionator werden Unterdruckbereiche geschaffen, wodurch die Durchlymphung, die Durchblutung und die Energiesteuerung besonders im Mund- und Rachenraum verstärkt werden.

Die Therapiebereiche

Bei der Bionator-Behandlung geht es primär um die Wiederherstellung der Mundraumfunktion. Dazu ist der Lippenschluss unerlässlich. Bei offenem Mund oder Kiefer-Gaumen-Spalten kann sich keine Mundraumfunktion entwickeln, da es an Sog fehlt, der die Wachstums- und Formungsprozesse der Kiefer und des Gebisses erst ermöglicht.

Balters definierte neun Therapiebereiche – ineinander übergreifend -, die bei der Bionator-Behandlung von Bedeutung sind. Für die Entwicklung der optimal großen Mundhöhle und für die natürliche Entfaltung des Gebisses sind sie entscheidend:

  • Die Sicherung des Lippenschlusses (wie oben bereits erwähnt) und die Kontaktnahme von Zungenrücken und weichem Gaumen.
  • Die Einnahme der Abbeiß-Funktionsstellung der Schneidezähne.
  • Die Verlagerung des Unterkiefers. Dadurch wird Raum gewonnen, der für die Neuorientierung der Zunge wichtig ist.
  • Die Umorientierung von Zunge, Kiefer, Gebiss und der sie umgebenden Weichteile.
  • Die Normalisierung der Durchblutung und der Flüssigkeitsaustausch von Blut und Lymphe.
  • Der erhöhte Stoffwechsel, der auch zu einer verstärkten Entgiftung der Gewebe führt.
  • Die Geradehaltung des Kopfes und der dadurch bedingte Einfluss auf den gesamten Wirbelsäulenbereich und die Körperhaltung.
  • Die Entspannung der Kiefermuskulatur in der Gebissruheschwebe. Sie verhindert einseitige Muskelkontraktionen und dadurch bedingte Deformation.

Diese Zielsetzungen sind erreichbar durch Lösung von inneren Blockaden, durch das Bewusst machen der Vorgänge im Patienten, durch Übung und Aktivierung der Dynamik. Zur Unterstützung, vor allem um den gewünschten Lippenschluss zu sichern, wird die Apparatur eingesetzt, die wir Bionator nennen.

Die Entwicklung der Stirn- und Kiefernhöhlen im Zusammenhang mit der Mundraumentwicklung

 200a Bionator - Therapie  200a Bionator - Therapie 200a Bionator - Therapie

Phase 1

Phase 2

Phase 3

Die Aufgaben

Der Bionator hat vier Hauptaufgaben:

  • Er hilft, die Kieferstellung zu sichern.
  • Er schafft Spielraum für die eingeengte Zunge.
  • Er regt den rückwärtigen Mundschluss an.
  • Er regelt die natürliche Atmung.

Die Indikationen

Eine Bionator-Behandlung ist immer angezeigt, wenn es um Störungen zwischen der Innen- und Außenwelt geht. Man kann deshalb die Indikationsbreite sehr weit fassen. Von der Kieferanomalie bis zu Kopfschmerzen, von der Parodontose bis zu Atemstörung, Störungen im Reflexgeschehen und im psychosomatischen Bereich.

Die Apparatur und ihre Teile

Der Bionator bewegt die Zähne nicht unter Druck; durch eine harmonische Entwicklung des gesamten Mundraums stellen sich die Zähne an ihren richtigen Platz.

Der Bionator ist eine Apparatur, die eigentlich nur aus zwei Drahtbügeln (Zungenbügel und Lippenbügel mit zwei Buccinatorschlaufen) besteht, die von einem Kunststoffkörper zusammengehalten werden. Der Zungenbügel besteht aus einem harten (nicht federharten!) 1,2 mm starken Edelstahl- bzw. Golddraht, der Lippenbügel aus einem harten o,g mm Edelstahl- oder Golddraht. Der Zungenbügel dient der Zungenführung und der Regulierung der Mundraumtemperatur.

200a Bionator - Therapie A     Artikulationsebene
ZB   Zungenbügel
LB   Lippenbügel
BS   Buccinatorschlaufe

1 Stützzähne – belassener Zahnabdruck als Sicherung gegen vertikales Ausweichen des Bionators
2 Zahnbett – ausgefräst zur vertikalen Freistellung der Zähne
3 Zahnbett – ausgefräst bis zur Berührung mit der Kauebeneneinzeichnung
4 Nasen – bis zur Sicherung gegen sagittales Ausweichen des Bionators
5 Leisten – hochgesetzte Nasen, entstanden durch Hochsetzen von Zahnbett und Nasen der Zahnabdrücke

 200a Bionator - Therapie

Es gibt drei unterschiedliche Formen des Zungenbügels. Die Omega-Form und die V-Form, die jeweils individuell eingesetzt werden, und die selten verwendete U-Form.

Der konkav gestaltete Kunststoffkörper dient ganz allgemein der Führung der Zunge.

Der Lippenbügel ist zur Führung der Lippen gedacht. Er kann vor den oberen oder unteren Schneidezähnen liegen, darf die Zähne aber nicht berühren.

Die mit dem Lippenbügel zusammenhängenden Buccinatorschlaufen sollen im Ober- wie im Unterkiefer in Höhe des okklusalen Drittels der Zahnkrone bis zur Mitte der oberen Ger verlaufen. Auch sie dürfen die Zähne nicht berühren, sondern sollen die Wangen von den Zahnreihen abhalten.

Man unterscheidet drei verschiedene Bionatortypen, das Grundgerät, das Abschirmgerät und das Umkehrgerät, die je nach Art der zu regulierenden Kieferanomalie ausgewählt werden.

Die Handhabung

Der Bionator muß ganz locker im Mund liegen, gemäß dem Prinzip „niemals Druck ausüben”. Er darf nicht drücken oder klemmen oder in irgendeiner anderen Form hinderlich sein. Er wird beim Einsetzen mit der Zunge in den Mund hineingeholt und auch wieder mit der Zunge herausgeschoben. Die Lippen sollten beim Tragen geschlossen sein, der Patient sollte durch die Nase atmen. Der Bionator sollte hauptsächlich nachts und tagsüber etwa sechs Stunden lang getragen werden, um optimale Wirkungen zu erzielen.

Er ist sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen einsetzbar. Die Bionator-Behandlungen sind für Zahnarzt und Patient wenig kompliziert und bei richtiger Anwendung frei von Nebenwirkungen. Der Bionator wird vom Zahnarzt für den Patienten individuell eingeschliffen. Erste Erfolge in bezug auf Bisshebung oder -Senkung können oft schon nach nur vier bis sechs Wochen festgestellt werden. Regelmäßige Kontrollen sind unbedingt erforderlich, die gegebenenfalls ein Nachschleifen des Bionators oder auch den Einsatz eines anderen Bionator-Typs mit sich bringen. Besonders umfangreiche Behandlungen können bis zu vier Jahren dauern.

Parallel zur apparativen Behandlung sollten auch die erwähnten Zusatz- bzw. ganzheitlichen Behandlungen erfolgen. So wird der Bionator dem Patienten bald zu einem neuen harmonischen Bewusstsein verhelfen.


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